Lungenentzündung – Diagnose & Behandlung

Übersicht:

  1. » Diagnosestellung
  2. » Behandlung
  3. » Folgeschäden bei Nichtbehandlung

Diagnose einer Lungenentzündung

Bessern sich Husten, Fieber und Allgemeinzustand nicht nach wenigen Tagen, führt der Weg zum Arzt. Je nach Alter des Patienten kann das der Kinderarzt, der Hausarzt, ein Internist oder ein Facharzt für Lungenerkrankungen sein.

Anamnese – Wichtige Patienteninformationen für den Arzt

Das Gespräch zwischen Arzt und Patient beginnt mit der Anamnese (Krankengeschichte), bei der sich der Arzt einen ersten Eindruck der Problematik verschafft. Auch die Vorgeschichte und eventuelle Grunderkrankungen sind wichtig für die Beurteilung der aktuellen gesundheitlichen Situation. Das weitere Vorgehen wird durch die Anamnese in die richtige Richtung gelenkt.

Untersuchung von Bronchien und Brustkorb

Als nächster Schritt folgt die körperliche Untersuchung. Sie beinhaltet das Abhören (Auskultieren) der Bronchien und der Lunge mit einem Stethoskop und das Abklopfen des Brustkorbs. Das entzündete Gewebe bei einer Lungenentzündung ist dichter als das gesunde Gewebe. Dementsprechend hört es sich beim Abhören anders an. Sogenannte Rasselgeräusche weisen auf Lokalisation und Ausdehnung der Erkrankung hin.

Häufiges Pfeifgeräusch bei Kindern

hustendes Kind beim ArztBei Kleinkindern ist oft zusätzlich die Ausatmung verlängert und ein pfeifendes Atemgeräusch (Giemen) zu hören. Der Grund hierfür sind verengte Atemwege durch Schleimhautschwellung und vermehrte Produktion von Schleim, vergleichbar der Symptomatik bei Asthma. Der Arzt untersucht außerdem den Gesamtzustand des Patienten und alle weiteren Organe (Herz, Nieren, Leber, Haut), die in der Lage sind, wichtige Hinweise auf eine Grunderkrankung zu geben. Auch möglicherweise schon vorhandene Komplikationen einer Lungenentzündung werden so diagnostiziert.


Laboruntersuchung zur Bestimmung der Entzündungswerte im Blut

Die Diagnostik wird im Labor fortgesetzt. Der erste Schritt ist normalerweise die Bestimmung der Entzündungszeichen im Blut (Blutbild, C-reaktives Protein), um einen objektiven Wert für das Ausmaß der Erkrankung zu erhalten. Sind im Blutbild die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) deutlich erhöht, weist dies auf eine bakterielle Lungenentzündung hin. Besteht außerdem eine erhöhte Anzahl der Lymphozyten (spezielle weiße Blutkörperchen), deutet der Befund auf eine atypische Pneumonie hin. Auch das CrP (C-reaktives Protein) ist ein Marker für eine bakterielle oder virale Pneumonie.

Mikrobiologische Untersuchung des Hustens

Weiterhin hat der Arzt die Möglichkeit, Sputum (Hustenauswurf) und Blut mikrobiologisch zu untersuchen. Das bedeutet, das Material wird auf Bakterien, Viren und Pilze sowie andere Mikroorganismen untersucht. Kann in einer Kultur (durch Anzucht) oder in einem Antigen-Test ein Keim nachgewiesen werden, hat der Arzt die direkte Ursache der Lungenentzündung gefunden. Das Labor ist leider nicht in jedem Fall so erfolgreich. Einige Nachweise benötigen zudem mehrere Tage bis zum Ergebnis, die antibiotische Therapie muss aber eher begonnen werden. Später passt der behandelnde Arzt, wenn erforderlich, die Therapie dem nachgewiesenen Erreger an.

Röntgen des Brustkorbs

Die nächste diagnostische Stufe ist die Röntgenaufnahme des Thorax (Brustkorbs). Hat der Arzt nach Anamnese, Untersuchung und Labordiagnostik den Verdacht auf eine Lungenentzündung, ordnet er ein Röntgenbild an. Die Aufnahme zeigt die exakte Lokalisation der Pneumonie und gibt Auskunft über Komplikationen wie zum Beispiel Ansammlungen von Wasser und Überblähung der Lunge. Weiterhin wird die Lunge auf mögliche Fehlbildungen und Grunderkrankungen beurteilt. Eventuell findet sich hier eine Erklärung für die vorliegende Pneumonie.

Behandlung einer Lungenentzündung

Was ich bei einer Lungenentzündung selbst tun kann

In erster Linie ist eine kompetente ärztliche Betreuung wichtig. Ist die Lungenentzündung diagnostiziert und falls nötig behandelt, gibt es außerdem ein paar Tipps, wie der Betroffene selbst zu einer raschen Genesung beitragen kann.

Bettruhe bei Fieber

Während der Erkrankung ist es wichtig, sich körperlich zu schonen. Je nach Allgemeinzustand kann auch Bettruhe angebracht sein, vor allem, wenn hohes Fieber auftritt. Das Fieber kann gesenkt werden, wenn es den Patienten zu sehr beeinträchtigt. Wadenwickel sind hier ein gutes Hausmittel. Aber auch Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) senken das Fieber, helfen gegen Schmerzen und verbessern das Krankheitsgefühl.

SaftschorleViel trinken hilft bei der Schleimlösung

Bei einer Pneumonie ist es sehr wichtig, viel zu trinken. Mineralwasser, Tee oder Saftschorlen sind am besten geeignet und helfen auch bei der Schleimlösung. Um den Effekt des Trinkens noch zu verstärken, gibt es schleimlösende Medikamente wie ACC, Ambroxol und efeuhaltige Präparate. Inhalation mit Kochsalzlösung ist ebenfalls ein wirksames Mittel, um den Schleim zu lösen. Inhalationen sind beliebig anwendbar und haben keine negativen Nebenwirkungen. Vorsichtiger sollte der Patient mit dem Einsatz von hustenstillenden Medikamenten sein. Sie verhindern das Abhusten des Schleims und können die Lungenentzündung so noch verstärken. Hustenstiller sollten erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden.

Kühles und gut gelüftetes Krankenzimmer

Verbringt der Patient viel Zeit im Bett, ist ein Zimmer mit kalt angefeuchteter Luft vorteilhaft. Regelmäßiges Lüften und wenig Heizen wird empfohlen. Atemgymnastik und Klopfmassagen unterstützen die Lungenfunktion und das Abhusten des Schleims. Bauch-, Rücken- und Seitenlage im Bett abzuwechseln, beugt einer ungleichmäßigen Lungenbelüftung vor.

Medikamentöse Behandlung einer Lungenentzündung

Die Behandlung einer Pneumonie hängt stark von ihrer Ursache ab. Der Arzt wird nach Möglichkeit Medikamente mit unterstützenden Maßnahmen kombinieren.

Breitspektrum-Antibiotikum bei bakterieller Lungenentzündung

Trotz ausführlicher Diagnostik kann der Lungenentzündung oft kein Erreger zugeordnet werden. Daher wird für die medikamentöse Therapie ein Breitspektrum-Antibiotikum gewählt, das alle infrage kommenden Keime abdeckt. Das Ziel ist ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn. Sind die mikrobiologischen Untersuchungen ausgewertet, kann der Arzt die Therapie bei Bedarf anpassen.

Antibiotika helfen nicht bei viraler Pneumonie

Antibiotika sind nur bei bakteriellen Pneumonien wirksam. Virale Lungenentzündungen bekämpft das Immunsystem selbstständig. Unterstützende Maßnahmen bringen leichte Besserung. Liegt eine bakterielle Superinfektion (zusätzliche Infektion) vor, wird ein Antibiotikum eingesetzt. Wird der Patient zu Hause behandelt, verschreibt der Arzt das Antibiotikum in Tablettenform. Im Krankenhaus wird das Antibiotikum über die Vene gegeben, um eine direkte Wirkung zu erzielen.

Schleimlöser zur symptomalen Therapie

Zusätzliche Medikamente werden zur Behandlung von Symptomen verordnet. Bei Kindern verkrampfen beispielsweise häufig die Bronchien (Obstruktion) im Rahmen einer Pneumonie. Inhalation von Salbutamol löst die Bronchialmuskulatur und gleichzeitig den zähen Schleim in den Luftwegen. Acetylcystein (ACC) ist ein weiterer Schleimlöser, der mit viel Flüssigkeit eingenommen werden sollte. Der Körper reinigt das Bronchialsystem durch produktiven Husten. Husten ist ein sinnvoller, natürlicher Vorgang. Er sollte möglichst nicht unterdrückt werden.

Atemtherapie und Klopfmassagen als unterstützende Maßnahmen

Eine Lungenentzündung beeinträchtigt den Patienten körperlich stark. Medikamente beseitigen die Ursache der Erkrankung. Für eine rasche Genesung gibt es zusätzliche Maßnahmen. Krankengymnastik beinhaltet auch spezielle Atemtherapie, die die Lungenbelüftung fördert. Kombination mit vibrierenden und klopfenden Massagen ist möglich. Die Schleimlösung und das Abhusten werden gefördert. Viel Flüssigkeit und Inhalationen mit Kochsalzlösung unterstützen den Heilungsprozess auf natürliche Weise.

Pneumokokken-Impfung zur Vorbeugung

Pneumokokken führen die Liste der häufigen Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung an. Sie sind besonders für Kleinkinder und ältere Menschen gefährlich und können auch zu Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündung (Meningitis) führen. Die beste Vorbeugung dieser Erkrankungen ist die Impfung gegen bis zu 23 verschiedene Pneumokokken-Typen.

Die STIKO (Ständige Impfkommission in Deutschland) empfiehlt diese Impfung offiziell für alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat und für Personen ab 60 Jahren. Zusätzlich profitieren Menschen mit chronischen Grunderkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Herz-, Lungen-, Leber-, Nierenkranke, Personen ohne Milz und alle immungeschwächten Menschen von der Impfung gegen Pneumokokken.

Folgeschäden bei Nichtbehandlung einer Lungenentzündung

Jede Lungenentzündung kann später Folgeschäden hervorrufen. Ein besonders hohes Risiko besteht bei nicht behandelten Erkrankungen, die der Körper alleine bekämpfen muss. Es sind zwei sich überschneidende Syndrome bekannt. Zum einen die akute Lungenschädigung (Acute Lung Injury, ALI) und zum anderen das akute Lungenversagen (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS). Das ARDS ist eine sehr schwere und oft tödlich verlaufende, entzündliche Erkrankung der Lunge.

Krankheitsmechanismen bei ALI und ARDS

Bei der akuten Lungenschädigung (ALI) und bei dem akuten Lungenversagen (ARDS) ist die Verbindungsstelle von Lunge und Blut, Lungenbläschenwand und Blutgefäß, entzündungsbedingt durchlässiger als im Normalzustand. Dadurch gelangen vermehrt Eiweiß und Wasser aus dem Blut in die Lungenbläschen und in das Lungengewebe. Diese Flüssigkeitsansammlung in der Lunge nennt der Mediziner Lungenödem. Weiterhin gelangen Entzündungsfaktoren und Abwehrzellen in die Lunge. Das Lungengewebe wird geschädigt. So findet im weiteren Verlauf, aufgrund der Entzündungsreaktion in den Lungenbläschen, eine Vermehrung des Bindegewebes (Fibrose) zwischen den Lungenbläschen und den Blutgefäßen in der Umgebung statt. Die Funktion der Lungenbläschen verschlechtert sich, eventuell kollabieren sie sogar. Bei zunehmender Lungenfibrose (Starrheit der Lunge) benötigt der Patient mehr Kraft für die Atmung. In diesem Zusammenhang sind mit der Zeit ganze Lungenabschnitte minderbelüftet.

Therapieansätze

Kontrollierte maschinelle Beatmung in Kombination mit schmerzlindernden und muskelentspannenden Medikamenten bringt Linderung. Therapieansätze mit dem Ziel der Heilung sind momentan noch im Versuchsstadium.

Stand: 09.07.2013